Hamburger Bahnhof

Am 2. November 1996 wurde nach einem längeren Umbau durch den Architekten Josef Paul Kleihues der Hamburger Bahnhof als Museum für Gegenwart wiedereröffnet. Es handelt sich um ein Gebäude, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts als einer der frühen Kopfbahnhöfe der Eisenbahngeschichte errichtet wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude zu einem Museum für Verkehr und Bau ausgebaut. Die Architektur des Hauses, die beeindruckende neoklassizistische, von zwei Türmen flankierte Fassade, die große Industriehalle im Eingangsbereich und die beiden den Innenhofgarten säumenden Ehrenhofflügel bilden eine besondere Attraktion für jeden Berlin-Besucher. Lediglich der Ostflügel, die sogenannte Kleihueshalle, wurde anlässlich der Wiedereröffnung 1996 im Stile einer hohen tonnenüberwölbten Grande Galerie neu errichtet.

Von außen ist das Museum nicht nur durch seinen klaren historistischen Fassadenstil beeindruckend, sondern vor allem durch die geniale, von dem amerikanischen Künstler Dan Flavin entworfene zweifarbige Lichtinstallation, die sowohl die Loggia der Hauptfassade wie die beiden Übergänge zu den Ehrenhofflügeln in blaues und grünes Neonlicht taucht.

Der Hamburger Bahnhof wurde als drittes Haus der Nationalgalerie Museum für Gegenwart genannt. Der Name spielt auf die 1919 im Kronprinzen-Palais Unter den Linden eröffnete und 1937 von den Nationalsozialisten geschlossene Dependance der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst an.
An die progressive Tradition anknüpfend, ist der Sammlungsbereich des Museum für Gegenwart bewusst auf die Kunst seit 1960 festgelegt worden. Durch die Sicherung der Privatsammlung von Erich Marx, die im Hamburger Bahnhof nicht nur ihren endgültigen Standort gefunden hat, sondern die auch auslösendes Moment für die aufwändige Sanierung des Museums war, ist dieses Sammlungskonzept in der Eröffnungsausstellung 1996 durch die großartigen Werkblöcke von Joseph Beuys, Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Cy Twombly beeindruckend veranschaulicht worden. Ausgehend von diesen Pionieren der Entgrenzung aller traditionellen Kunstformen legt das Museum in seinen Ausstellungen und Programmen stets den Schwerpunkt auf die Interdisziplinarität zeitgenössischer Kunst. Die Sammlung der Nationalgalerie zeichnet sich im Bereich des erweiterten Kunstbegriffs besonders durch ihren Bestand an Künstlerräumen aus - etwa von John Cage, Bill Viola, Peter Campus, Wolf Vostell, Rebecca Horn, Carolee Schneemann, Reinhard Mucha, Marcel Broodthaers, Fritz Rahmann, Hans-Peter Feldmann, Johan Grimonperez oder Aernout Mik. In wechselnden Ausstellungen werden ihre Werke im Hamburger Bahnhof den Besuchern präsentiert. Im Jahr 2002 konnte die Sammlung der Nationalgalerie durch den Erwerb der Studiensammlung zur Konzeptkunst und Arte Povera von Egidio Marzona wesentlich erweitert werden. Filmische Werke bilden einen weiteren Schwerpunkt der jüngeren Sammlungsbestände der Nationalgalerie. Dieser Schwerpunkt konnte besonders durch das Joseph Beuys Medien-Archiv und die von Mike Steiner geschenkte Sammlung zur Videokunst der 1970er Jahre gestärkt werden.

Im Jahr 2004 wurde das Museum um 6000 qm auf insgesamt 13000 qm Ausstellungsfläche erweitert: Der hinter dem Haupthaus liegende Lehrter Güterbahnhof wurde zu den sogenannten Rieckhallen umgebaut. Sie bieten der zunächst auf sieben Jahre befristeten Leihgabe der Friedrich Christian Flick Collection Raum. Das Museum veröffentlicht diese Sammlung mit ihren rund 2000 erstklassigen Werken zeitgenössischer europäischer und nordamerikanischer Kunst innerhalb der vereinbarten Leihfrist in wechselnden thematischen und monografischen Ausstellungen.

Das Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof zählt mit seinem Gesamtbestand an Kunstwerken von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart und seinem vielfältigen Ausstellungsprogramm weltweit zu den größten und wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst.